Unsere Kleinsten: Sommergoldhähnchen und Zaunkönig

Samstag, 28. März 2020 (sonnig, 12 Grad, warmer Frühlingstag), Ostfriedhof, München, 11 bis 14 Uhr

Seit einer Woche leben wir nun mit den coronabedingten Ausgangsbeschränkungen. Deshalb entscheide ich mich für einen kleinen Spaziergang in den nahen Ostfriedhof (Bild). Die Frühlingszeit ist jedes Jahr wieder faszinierend, denn jeden Tag gibt es Veränderungen in der Vogelwelt. Die Zugvögel kehren aus ihren Wintergebieten zurück, manche Standvögel sind auf Partnersuche, am Nestbauen oder schon am Brüten. Bevor ich mich den Vögeln widme, fällt mir ein Eichhörnchen (Bild) auf, das sich immer wieder mal ins Gras legt, so als ob es ein Sonnenbad nehmen würde.

Ostfriedhof München, Ende März 2020
Ruhendes Eichhörnchen, Ostfriedhof München, März 2020

Leise Töne beim Sommergoldhähnchen

Die Vogelbestimmung per Gesang oder Ruf hat sich in den letzten Jahren bei mir etwas verbessert. Den Gartenbaumläufer (Bild) höre ich heute – gefühlt – aus jedem zweiten Baum. Seine melodisch kurzen Pfeifstrophen lassen sich wie ein »Di-dideli-di-di« (Tonbeispiel xeno-canto) beschreiben. Während ich ihn beim Baumhochklettern beobachte, vernehme ich in der Nähe noch andere, hellere Töne. Da ich sie nicht einordnen kann, scanne ich den Baum ab. Der kleine Vogel – ein Sommergoldhähnchen (Bilder) – ist schnell entdeckt, da es ständig in Bewegung ist, eilig von Ast zu Ast hüpft. Es ist auf der Suche nach Nahrung die aus Insekten, Insektenlarven und Spinnen besteht. Der Gesang besteht aus feinen, hohen, leicht ansteigenden Töne, die mit einem kurzen Triller enden (Tonbeispiel xeno-canto). Neben dem Wintergoldhähnchen gehört das Sommergoldhähnchen mit seinen neun bis zehn Zentimetern zu den kleinsten Vögeln Europas. Im Oktober ziehen sie nach Südwesteuropa, teils bis nach Nordafrika und kehren im April in ihre Brutgebiete zurück. In Bayern ist das Sommergoldhähnchen ein sehr häufiger Brutvogel. Es lebt im Nadel- und Mischwald sowie in Parks. Ein bisschen größer als das Sommergoldhähnchen ist der Zilpzalp (Bild). Der zehn bis zwölf Zentimeter große bzw. kleine Vogel ist im ganzen Friedhof zu hören und sein klarer, kräftiger, einsilbiger Gesang »Zilp-zalp-zilp-zalp« super leicht zu erkennen.

Gartenbaumläufer (Short-toed Treecreeper), Ostfriedhof München, März 2020
Sommergoldhähnchen (Common Firecrest), Ostfriedhof München, März 2020
Sommergoldhähnchen (Common Firecrest), Ostfriedhof München, März 2020
Sommergoldhähnchen (Common Firecrest), Ostfriedhof München, März 2020
Zilpzalp (Common Chiffchaff), Ostfriedhof München, März 2020

Kräftig und laut singt der Zaunkönig

Seit meiner Kartierungsarbeit im letzten Frühjahr ist mir der Zaunkönig (Bilder, Video auf Youtube) – der drittkleinste Vogel Europas – besonders ans Herz gewachsen. Er ist durch seinen lauten, metallisch klingenden und trillernden Gesang verhältnismäßig leicht zu bestimmen. Meistens singt er aus der Deckung, aber mit etwas Geduld findet man ihn auch exponiert auf einer Warte stehend. Ich finde, das kleine Kerlchen wirkt sehr selbstbewusst und souverän. Der Zaunkönig hat den Ruf der Schlauheit und List. Eine Fabel sagt, dass die Vögel einst beschlossen, denjenigen von ihnen zum König zu machen, der am höchsten flöge. Dies gelang zwar dem Adler, aber der Zaunkönig schaffte es durch eine List, diesen zu übertreffen (Quelle: Wikipedia). Apropos Singen. Genauso wie der Zaunkönig singt auch das Rotkehlchen (Bild) das ganze Jahr über.

Zaunkönig (Eurasian Wren), Ostfriedhof München, März 2020
Zaunkönig (Eurasian Wren), Ostfriedhof München, März 2020
Zaunkönig (Eurasian Wren), Ostfriedhof München, März 2020
Rotkehlchen (European Robin), Ostfriedhof München, März 2020

Blaumeise besetzt Nistkasten

Die Standvögel haben gegenüber den Zugvögeln manchen Vorteil. Sie brauchen nicht die weite und gefährliche Reise aus ihren Überwinterungsgebieten antreten und können deshalb – abhängig vom Wetter – deutlich früher mit dem Brüten anfangen. Die Blaumeise (Bild) hat einen Nistkasten schon belegt. Neben den vielen kleine Vögeln begegnen mir auch noch etwas Größere wie die Singdrossel (Bild) und Wacholderdrossel (Bilder). Letztere hat sich auch gleich neben ihrem Futter – Beeren des Efeus – niedergelassen. Bei diesem Frühjahrsspaziergang höre ich auch meine erste Mönchsgrasmücke in diesem Jahr. Es ist immer wieder eine Freude. Beim Versuch sie in der dichten Eibe zu finden, entfacht etwas Knallrotes auf einem nicht mehr gepflegtem Grab mein Interesse. Zwischen dem Efeu haben sich auf einem morschen Holzstück viele Feuerwanzen (Bilder) versammelt. Es ist die Gemeine Feuerwanze (lat. Pyrrhocoris apterus), eine sehr häufige Art in Mitteleuropa. Als Gruppe überwintern sie unter Steinen und Büschen und wenn die Sonne den Boden erwärmt, suchen sie sonnige Plätze auf, um sich zu wärmen.

Blaumeise (Eurasian Blue Tit), Ostfriedhof München, März 2020
Singdrossel (Song Thrush), Ostfriedhof München, März 2020
Wacholderdrossel (Fieldfare), Ostfriedhof München, März 2020
Wacholderdrossel (Fieldfare), Ostfriedhof München, März 2020
Gemeine Feuerwanze, Ostfriedhof München, März 2020
Gemeine Feuerwanze, Ostfriedhof München, März 2020
Gemeine Feuerwanze, Ostfriedhof München, März 2020

Vogeltagesliste: Sperber, Ringeltaube, Buntspecht, Grünspecht, Rotkehlchen, Singdrossel, Misteldrossel, Wacholderdrossel, Amsel, Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Sommergoldhähnchen, Wintergoldhähnchen, Zaunkönig, Kohlmeise, Blaumeise, Sumpfmeise, Kleiber, Gartenbaumläufer, Rabenkrähe, Buchfink, Grünfink

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