Wohnungssuchender Star, müder Zilpzalp und Frau Knäkente

Karfreitag, 30. März 2018 (anfangs bedeckt, später etwas Sonne, 10 bis 15 Grad, warmer Frühlingstag), Grub, Trattmoos, Ismaninger Speichersee, Ostbecken, östliches Westbecken, 12 bis 17 Uhr
Wie jedes Frühjahr kann ich es kaum erwarten, bis es wieder wärmer und grüner wird, die ersten Singvögel zurückkommen und der Vogelzug beginnt … Ich packe mein Rad in die S-Bahn und in Grub schlage ich den Weg nach Norden zum Ismaninger Speichersee ein. In dem kleinen Ort beobachte ich eine Zeitlang mehrere Stare (Bilder), die auf einer Wiese und in dem angrenzenden Garten nach Futter suchen. Der Star ist Vogel des Jahres 2018. Er ist wohl einer der bekanntesten Vögel Deutschlands, auch weil er oft in der Nähe von Siedlungen zu sehen ist und Nistkästen am Haus und in den Gärten gerne annimmt. Aber sein Bestand nimmt kontinuierlich ab. Durch die intensive Landwirtschaft fehlt es an Nahrung und geeignete Nistplätze wie alte Bäume mit Bruthöhlen werden weniger. In der Roten Liste der Brutvögel wurde der Star von »ungefährdet« (2007) auf »gefährdet« (2015) hochgestuft (Quelle > Wikipedia). Die meisten europäischen Stare überwintern in den Mittelmeerländern und in Nordwestafrika. Ende März, Anfang April kommt der Star aus seinem Winterquartier zurück. Mitte bis Ende April erfolgt die Eiablage und vier bis acht Eier werden ca. drei Wochen lang bebrütet. Ich freue mich über »meine« bayerischen Frühlingsboten und einer davon begutachtet auch schon seine zukünftige – wunderschön hellblau mit Sternen bemalte – Villa ;-))
Ich radle weiter zum See und wie immer wenn ich von Süden komme, scanne ich als erstes die Felder und Wiesen südlich vom Ismaninger See ab. Hier gibt es auch ein kleines Stückchen unbearbeitete Wiese mit Hecken, kleinen Bäumen und Büschen. Ich entdecke einen Zilpzalp (Bilder), der sich in einem Busch versteckt. Der nur 10 bis 12 Zentimeter kleine Laubsänger ist einer der frühesten Rückkehrer aus seinen im Mittelmeerraum gelegenen Winterquartieren. Und obwohl sein »Zilp-zalp-zilp-zalp«-Gesang (Tonbeispiel > Avisoft Bioacoustics) etwas eintönig ist, freue ich mich, weil ich weiß, jetzt ist der Frühling nicht mehr weit. Bei dem Zilpzalp im Busch fällt mir auf, dass er sich kaum bewegt, seine Federn sind aufgeplustert, er singt nicht – und dann fallen ihm ständig die Augen zu. Ich glaube, der ist richtig müde und braucht erst mal etwas Schlaf.

Auf der Insel im Ostbecken (Bild) hat sich einiges verändert. Gebüsch und kleine Bäume wurden abgeholzt. Es scheint, dass sich die zwei Nilgänse (Bilder) über diesen freien Raum freuen, eine davon macht es sich bereits bequem und legt ebenfalls ein Nickerchen ein. Am steinigen Ufer der Insel pausiert ein Waldwasserläufer (Bild) auf seinem Weg in das nordöstliche Europa. Daneben steht eine Ente. Können Sie erkennen, welche Art das ist?
Das nächste Bild zeigt noch mehr Rätselvögel: zwei schlafende Enten, ein badender Vogel und der Waldwasserläufer. Das Rätsel der Enten will ich gerne lüften. Links außen sieht man eine Pfeifente, erkennbar an dem rotbraunen Kopf und dem gelbbeigen Feld auf der Stirn, das auch noch sichtbar ist, wenn der Vogel den Kopf in seinem Gefieder vergräbt. Die zweite Ente hat nun Gesellschaft bekommen und das Männchen steht daneben. Schnell ist klar, dass es sich um Knäkenten (Bild) handelt. Der halbförmig bis in den Nacken reichende weiße Überaugenstreif ist das Erkennungszeichen der männlichen Knäkente. Das Weibchen hat diese auffällige Kopfzeichnung nicht, aber trotzdem eine sehr typische markante Zeichnung am Kopf. Neben der weißen Kehle und dem hellen Fleck am Schnabelgrund ist die Kopfseite geprägt durch einen dunklen und hellen Streifen unter und über dem Auge.
Nicht weit von der Insel finde ich auch eine alte Bekannte wieder. Die Moschusente (Bilder), die sich nun schon seit dem Sommer letzten Jahres (Artikel > Dezember 2017) am Speichersee aufhält, ist immer noch da. Und heute ist sie besonders aktiv und sucht dringend Anschluss. Zuerst verfolgt sie über einen längeren Zeitraum eine Graugans (Bild). Als diese nicht reagiert, ist der Höckerschwan (Bild) das nächste Ziel. Aber auch der will nichts wissen … Gibt es denn niemand der einen passenden Partner für die Moschusente hat? ;-))

Vogeltagesliste: Höckerschwan, Graugans, Nilgans (2), Stockente, Pfeifente (mind. 50), Knäkente, Tafelente, Moschusente, Kolbenente, Reiherente, Schellente, Gänsesäger, Zwergtaucher, Schwarzhalstaucher (1), Haubentaucher, Kormoran, Mäusebussard, Sperber, Blässhuhn, Kiebitz, Waldwasserläufer, Lachmöwe, Mittelmeermöwe, Straßentaube, Ringeltaube, Türkentaube, Feldlerche (3), Bachstelze, Rotkehlchen, Wacholderdrossel, Amsel, Zilpzalp, Zaunkönig, Kohlmeise, Blaumeise, Schwanzmeise, Kleiber, Gartenbaumläufer, Elster, Rabenkrähe, Star, Haussperling, Feldsperling, Buchfink, Stieglitz, Grünfink, Rohrammer, Goldammer

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Star (Common Starling), Grub bei Poing, März 2018

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Star (Common Starling), Grub bei Poing, März 2018

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Star (Common Starling), Grub bei Poing, März 2018

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Zilpzalp (Common Chiffchaff), Trattmoos, Ismaninger Speichersee, März 2018

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Zilpzalp (Common Chiffchaff), Trattmoos, Ismaninger Speichersee, März 2018

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Abgeholzte Insel im Ostbecken des Ismaninger Speichersees, März 2018

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Nilgänse (Egyptian Goose), Ismaninger Speichersee, März 2018

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Nilgans (Egyptian Goose), Ismaninger Speichersee, März 2018

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Rechts: Waldwasserläufer (Green Sandpiper), Ismaninger Speichersee, März 2018

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Zwei Enten, ein badender Rätselvogel und ein Waldwasserläufer (Green Sandpiper), Ismaninger Speichersee, März 2018

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Pfeifente (Eurasian Wigeon) und Knäkenten (Garganey), Ismaninger Speichersee, März 2018

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Knäkenten (Garganey), Ismaninger Speichersee, März 2018

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Graugans (Greylag Goose) und Moschusente (Muscovy Duck), Ismaninger Speichersee, März 2018

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Höckerschwan (Mute Swan) und Moschusente (Muscovy Duck), Ismaninger Speichersee, März 2018

PS: Der badende Vogel ist ein Kiebitz.

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