Marokko – Tag 5: Kronenflughuhn, Sandlerche, Saharagrasmücke, Wüstensteinschmätzer, Wüstensperling, Wüstenläuferlerche, Wüstenrabe

teaser_kronenflughuhn_crowned-sandgrouse_marokko_jan2017_daehne_084Sonntag, 1. Januar 2017, Dünenlandschaft Erg Chebbi, 4 bis 12 Grad, 8 bis 13 Uhr; Wasserstelle bei Hotel, 16 bis 17 Uhr
Noch ein kurzer Blick zurück in die gestrige Silvesternacht. Das Hotel war ausgebucht, überwiegend französische und spanische Gäste feierten ausgelassen in das neue Jahr hinein. Zum Abendessen gab es ein leckeres Büffet und eine Gruppe junger Berbermusiker unterhielt uns mit rhythmischer Trommelmusik. Gegen Mitternacht wurde hinter dem Hotel ein großes Feuer entfacht und viele Hotelgäste feierten mit Musik und Tanz bis in die Morgenstunden.
Für mich war es ein unvergessliches Erlebnis, mitten in der Nacht auf einer Düne unter diesem mit Sternen übersäten Nachthimmel zu stehen. So viele Sterne hatte ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Auch die Milchstraße war deutlich zu erkennen. Mein Bedürfnis, die Nacht durchzumachen, war nicht allzu groß, da laut Brahim der nächste Tag in der Wüste etwas ganz Besonderes sein würde. Deshalb ging ich bald ins Bett und die feiernden Gäste störten meine Nachtruhe nicht.

Das neue Jahr 2017 beginnt mit einem wunderbaren Sonnenaufgang (Bild) über den Dünen. Nach dem Frühstück erwartet uns Otman, der uns mit seinem Allradantrieb-Geländewagen sicher durch die Dünen auf die östliche Seite von Erg Chebbi (Bild) bringt. Bald entdecken wir dreizehn Kronenflughühner (Bilder), die in den Morgenstunden eine kleine Wassertränke aufgesucht haben. Sie sind gar nicht so scheu, aber um sie nicht zu stören, bleiben wir im Auto sitzen. Flughühner sind mittelgroße, kurzhalsige und kräftige Wüsten- und Steppenvögel. Sie können schnell und ausdauernd fliegen und bewohnen steiniges, kaum bewachsenes Gelände in niedrigen Lagen. Die Männchen weisen ein schwarzes Band auf, das von der Stirn bis zum Kinn reicht.

Wir fahren nur wenige Meter weiter und halten in der Nähe einiger aus Lehm gebauten Häuser. Auf dem steinigen Wüstenboden rennen emsig Sandlerchen (Bilder) umher. Es sind sehr kleine Lerchen mit rundlicher Gestalt, kurzem Schnabel und einem »niedlichen« Gesichtsausdruck. Ihr Lebensraum sind flache Sandwüsten, auch Halbwüsten mit Kies und vereinzelten Buschzonen. Die Sandlerche kann leicht mit der Steinlerche, die ebenfalls in diesem Habitat lebt, verwechselt werden. Neben den rastlosen Sandlerchen erfreuen wir uns über einen Saharasteinschmätzer (Bilder, Video > Youtube), der uns die ganze Zeit aufmerksam beobachtet. Immer wieder fliegt er von einem Aussichtsplatz zu einem anderen, aber sein Lieblingsort ist oben auf einem Gebäude. In einer Wandnische kann man auch sein Nest vom letzten Jahr bewundern. Brahim erzählt uns, dass die Menschen den Saharasteinschmätzer sehr schätzen, weil er sie vor Schlangen warnt. Auch ich mag den hübschen Vogel, der sich einmal kurz auf einem Spektiv niederlässt und guckt, was wir denn da so machen. Ist das nicht herrlich?

An unserem nächsten Halt gibt es wirklich viel zu entdecken. Als erstes sehen wir eine Saharagrasmücke (Bilder), die sich auf Buschwarten Überblick verschafft. Ihr Lebensraum sind die nordafrikanischen Halbwüsten und durch ihre helle ockerbeige Oberseite ist sie unverwechselbar. Der Jahresvogel galt früher als Unterart der Wüstengrasmücke. Direkt daneben hat ein Wüstensteinschmätzer (Bilder) auf einem Nachbarbusch seinen Platz eingenommen. Der Wüstensteinschmätzer benötigt trockenes, sandiges, steppenähnliches Gelände oder Halbwüsten mit vereinzelten Büschen zum Brüten. In seinem Schlichtkleid ist er nicht einfach zu bestimmen, aber ein gutes Erkennungsmerkmal ist sein fast vollkommen schwarzer Schwanz.
Die nächste Art, die wir an diesem »magischen« Platz finden, ist ein Wüstensperling (Bild). Er lässt sich leider nur ganz kurz in einem Akazienbaum nieder. Der Wüstensperling brütet in Sandwüsten und lebt gerne in der Nähe der Menschen – in Oasen, Siedlungen und Plantagen. Diese Vorliebe bereitet ihm aber mittlerweile große Probleme, da die aggressiven Haussperlinge ihn verdrängen.
Neben den vielen verschiedenen Steinschmätzerarten gibt es nicht wenige Lerchenarten in Marokko, die nicht einfach zu unterscheiden sind. Eine davon – die Wüstenläuferlerche (Bild) – fällt durch ihren langen, abwärts gebogenen Schnabel auf. Es ist eine große, schlanke, hell sandfarbene Lerche, die man vorwiegend rennend zu Gesicht bekommt. Sie brütet in flachen Wüstenregionen, Halbwüsten und Wadis. Aufgrund ihres schwarz-weißen Flügelmusters ähnelt sie im Flug dem Wiedehopf, der im Englischen »Hoopoe« heißt. Und so erschließt sich auch, dass die Wüstenläuferlerche englisch »Greater Hoopoe-Lark« heißt. Sie ernährt sich von Larven, Heuschrecken, Termiten und Ameisenlöwen, die sie in fünf Zentimeter Tiefe im weichen Sand aufspürt (Video > Youtube). Auch ein Wüstenrabe (Bild) lässt sich an diesem Ort ausgiebig beobachten. Der in Marokko weit-verbreitete Vogel brütet in der Wüste und Trockensteppe, manchmal auch an Berghängen oder in felsigen Wadis. Er ist aber im Gegensatz zum etwas größeren Kolkraben, dem er sehr ähnlich sieht, kein Bergbewohner.

Nach diesem tollen Vormittag kehren wir gegen 13 Uhr wieder in unser Hotel zurück. Mein Kopf ist voller neuer Eindrücke und ich bin sehr glücklich über diese besonderen Sichtungen. Der Nachmittag ist ohne Programm. Aber rund um das Hotel gibt es ja auch Vögel – und es gibt Kamele (Bild) zu bestaunen. Ganz in der Nähe liegt eine kleine Wasserstelle (Bild). Da gibt es zwar nichts großartiges Neues zu sehen, aber »unsere« Zilpzalpe (einer davon im Bild) fühlen sich hier anscheinend recht wohl. Auch Wiesenpieper, Bachstelze und ein Wasserläufer finden sich ein. Beim Zurückgehen in das Hotel höre ich noch einen Raubwürger (Bild, Video > Youtube) rufen. Raubwürger leben in Europa, Nordafrika und Vorderasien in vielen Unterarten, in Nordafrika gibt es zwei Varianten. Eine dunklere Art »algeriensis« mit schiefergrauer Oberseite, dunkler Brust und ohne weißen Überaugenstreif kommt an den Küsten Nordwestafrikas vor. Im Binnenland ist die blassere Wüstenform »elegans« mit hellem Bauch, viel Weiß auf Flügeln und Schwanz weit verbreitet.

Vogeltagesliste: Kronenflughuhn*, Stummellerche, Sandlerche*, Saharaohrenlerche, Wüstenläuferlerche*, Saharasteinschmätzer, Wüstensteinschmätzer*, Saharagrasmücke*, Atlasgrasmücke*, Wüstenrabe, Wüstensperling*, Türkentaube, Girlitz, Zilpzalp, Wiesenpieper, Bachstelze, Waldwasserläufer, Raubwürger elegans
(* = meine persönliche Erstsichtung)

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Morgenstimmung, Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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Kronenflughühner (Crowned Sandgrouse), Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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Kronenflughühner (Crowned Sandgrouse), Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017 (Foto: Markus Dähne)

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Sandlerche (Bar-tailed Lark), Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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Sandlerche (Bar-tailed Lark), Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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Sandlerche (Bar-tailed Lark), Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017 (Foto: Markus Dähne)

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Saharasteinschmätzer (White-crowned Wheatear), Marokko, Januar 2017

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Nest eines Saharasteinschmätzers, Marokko, Januar 2017

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Saharasteinschmätzer (White-crowned Wheatear), Marokko, Januar 2017 (Foto: Markus Dähne)

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Saharasteinschmätzer (White-crowned Wheatear), Marokko, Januar 2017

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Saharagrasmücke (African Desert Warbler), Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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Saharagrasmücke (African Desert Warbler), Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017 (Foto: Markus Dähne)

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Wüstensteinschmätzer (Desert Wheatear), Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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Wüstensteinschmätzer (African Desert Warbler), Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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Wüstensperling (Dessert Sparrow), Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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Wüstenläuferlerche (Greater Hoopoe-Lark), Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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Wüstenrabe (Brown-necked Raven), Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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Wasserstelle beim Hotel, Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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Zilpzalp (Chiffchaff), Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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Raubwürger elegans (Great Grey Shrike elegans), Erg Chebbi, Marokko, Januar 2017

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