Marokko – Tag 4: Diademrotschwanz, Habichtsadler, Hausammer, Akaziendrossling, Wüstenprinie

Samstag, 31. Dezember 2016, Boumalne du Dades, Todra-Schlucht, Goulmima, Erg Chebbi, ca. 9 bis 13 Grad, 8 bis 17 Uhr
Nach zwei Nächten in Boumalne du Dades ist heute wieder Reisetag. Unser Ziel liegt ungefähr 230 Kilometer in südöstlicher Richtung und heißt Erg Chebbi, eine Dünenlandschaft nahe der algerischen Grenze. Aber bis wir dort ankommen, können wir uns noch an wunderschönen Landschaften erfreuen und einige neue Vogelarten gibt es auch noch zu bestaunen. Kurz vor 9 Uhr machen wir den ersten Halt, um die Aussicht auf die Oasenstadt Tinghir (Bild) und die weitläufige Umgebung zu genießen. Dann fahren wir in das Atlasgebirge, um eine der beeindruckendsten Schluchten weltweit – die Todra-Schlucht (Bilder) – zu besichtigen. Die Schlucht ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel und auch unter Bergkletterern sehr bekannt. Der Durchgang entlang der 300 Meter hohen, steil aufragenden Felswände ist äußerst beeindruckend. In der Enge weht ein frischer, kalter Wind und wir sind froh, als sich die Schlucht ausgangs wieder weitet.
Noch sind wenig Touristen vor Ort und wir genießen die Ruhe. Brahim ist auf der Suche nach der Atlasgrasmücke, aber sie lässt sich heute nicht blicken. Dafür entdeckt Markus einen Habichtsadler (Bild), der plötzlich über dem Bergkamm auftaucht und zielstrebig über uns hinweg fliegt. Gut, dass Profis dabei sind, ich hätte den Greifvogel auf die Schnelle nicht identifizieren können. Der mittelgroße, kräftig gebaute Adler bewohnt trockene, felsige Regionen. Die größten zusammenhängenden Verbreitungsgebiete liegen sich in Spanien, Portugal, im Süden Frankreichs und im Nordwesten Afrikas. Er ist ein wendiger und schneller Jäger, seine Nahrung besteht aus Säugetieren mittlerer Größe oder Vögeln.
Auf den von der Sonne beschienenen Felsen hüpfen einige Hausammern (Bilder) umher und suchen nach Futter. Seit meiner Ankunft versuche ich schon, ein Foto von den in Marokko überall vorkommenden, nicht sehr scheuen Ammern zu machen. Bisher hatte es nicht geklappt, aber nun ist endlich einmal Zeit, sie in Ruhe zu beobachten. Sie brüten in der Nähe von Menschen, sogar in Häusern, an Berghängen mit kleinen Feldern und einzelnen Büschen. Auch ihr fröhlicher Gesang (> xeno-canto.org) ist hier überall zu hören.
Über dem nur sehr wenig Wasser führenden kleinen Fluss ziehen Felsenschwalben ihre Bahnen auf der Jagd nach Insekten. Eine Felsenschwalbe (Bild, Video > Youtube) gönnt sich eine Pause und hat sich auf einem sonnigen Plätzchen am Hang niedergelassen. Auf der anderen Seite der Straße lässt sich ungewöhnlich nah ein Trauersteinschmätzer (Bild) bewundern.

Herrliche zwei Stunden verbringen wir im Gebirge. Dann geht die Reise weiter nach Osten. Ungefähr nach zwei Stunden biegt Hamid von der Hauptstraße ab und wir halten im Nirgendwo. Brahim führt uns in ein ausgetrocknetes Flussbett (Wadi). Auf den ersten Blick ist nichts zu sehen, aber ganz allmählich entdecken wir Vogel um Vogel. Schwarzkehlchen, Raubwürger, ein Saharasteinschmätzer (Bild) und ein Diademrotschwanz haben sich auf den dornigen Büschen niedergelassen und beobachten uns. Der Diademrotschwanz (Bild, Video > Youtube) mit seiner rostroten Unterseite und dem markanten schwarz-weißen oberen Gefieder ist wohl eine der schönsten Vogelarten Marokkos. Sein Verbreitungsgebiet ist das Atlasgebirge im Nordwesten von Afrika. Er brütet in offenem Gelände mit Büschen, einzelnen Bäumen und Gehölzen, in Plantagen und Gärten, gerne auch an Berghängen und im offenen Küstenwald.
Dann taucht ein Trupp Akaziendrosslinge (Bild, Video > Youtube) auf. Zunächst nur ein Vogel, der sich erst einmal ausgiebig putzt. Allmählich sammeln sich immer mehr Individuen in den Dornenbüschen. Auch sie säubern intensiv das Gefieder. Akaziendrosslinge sind meist in Gruppen von fünf bis zehn Vögeln unterwegs. Sie sind sehr lebhaft und ruffreudig (> xeno-canto.org) und es macht Spaß, sie zu beobachten. Nach kurzer Zeit ziehen sie weiter.
Zum Schluss finden wir noch die wirklich rastlose Wüstenprinie (Bilder). Per Digiskoping diesen umtriebigen Vogel zu fotografieren, ist kaum möglich. Die nur zehn Zentimeter große Wüstenprinie erinnert mich an eine Maus, die sich schnell und wendig am Boden zwischen den Büschen fortbewegt. Für eine kurze Zeit hält sie sich in einem Busch auf, allerdings auch hier immer auf Achse. Sie lebt in Halbwüsten und trockenen, sandigen oder steinigen Steppen mit niedrigen Büschen oder Gras.
Nach einer Stunde verlassen wir diesen ungewöhnlichen Vogelbeobachtungsplatz und ziehen weiter Richtung Merzouga, wo wir gegen 17 Uhr in unserem hübschen Dünenhotel (Bilder) ankommen.

Vogeltagesliste: Kuhreiher, Habichtsadler*, Adlerbussard, Felsentaube, Türkentaube, Theklalerche, Stummellerche, Felsenschwalbe, Wiesenpieper, Bachstelze, Gebirgsstelze, Hausrotschwanz, Diademrotschwanz, Saharasteinschmätzer, Trauersteinschmätzer, Schwarzkehlchen, Blaumerle, Wüstenprinie*, Raubwürger elegans, Graubülbül, Akaziendrossling*, Wüstenrabe*, Haussperling, Stieglitz, Hausammer
(* = meine persönliche Erstsichtung)

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Bei Tinghir, Marokko, Dezember 2016
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Todra-Schlucht, Marokko, Dezember 2016
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Todra-Schlucht, Marokko, Dezember 2016
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Habichtsadler (Bonelli’s Eagle), Todra-Schlucht, Marokko, Dezember 2016 (Foto: Markus Dähne)
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Hausammer (House Bunting), Marokko, Dezember 2016
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Hausammer (House Bunting), Marokko, Dezember 2016 (Foto: Markus Dähne)
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Felsenschwalbe (Crag Martin), Todra-Schlucht, Marokko, Dezember 2016
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Trauersteinschmätzer (Black Wheatear), Todra-Schlucht, Marokko, Dezember 2016
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Wadi, Marokko, Dezember 2016
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Saharasteinschmätzer (White-crowned Wheatear), Marokko, Dezember 2016
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Diademrotschwanz (Moussier’s Redstart), Marokko, Dezember 2016
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Diademrotschwanz (Moussier’s Redstart), Marokko, Dezember 2016
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Akaziendrossling (Fulvous Babbler), Marokko, Dezember 2016
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Akaziendrossling (Fulvous Babbler), Marokko, Dezember 2016 (Foto: Markus Dähne)
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Wüstenprinie (Scrub Warbler), Marokko, Dezember 2016
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Wüstenprinie (Scrub Warbler), Marokko, Dezember 2016 (Foto: Markus Dähne)
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Hotel bei Erg Chebbi, Marokko, Dezember 2016
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Hotel bei Erg Chebbi, Marokko, Dezember 2016
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Erg Chebbi, Marokko, Dezember 2016

2 Gedanken zu „Marokko – Tag 4: Diademrotschwanz, Habichtsadler, Hausammer, Akaziendrossling, Wüstenprinie

  1. einfarben star
    ich wohne in marrakech und höre oft den einfarbenstar. sein gesang gefällt mir sehr.
    fast „modern“!
    hab ihn auch schon gesehen.
    herzlichen gruss eva

    1. Hallo Eva,
      das ist bestimmt ein schönes Erlebnis einen Einfarbstar singen zu hören.
      Ich hatte leider nie das Vergnügen.
      Schöne Grüße nach Marrakesch
      Waltraud

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