»Lago di Cornino« – Tag 6: Circa 80 Gänsegeier

Samstag, 14. September 2019 (sonnig, warmer Spätsommertag), Geierfütterungsplatz im Naturschutzgebiet »Lago di Cornino«, 9 bis 11 Uhr

Sie haben es sicher bemerkt, der Freitag, unser fünfter Tag, fehlt. Zunächst sind wir einige Stunden an der Küste von Staranzano bis zur »Punta Barena« gewandert. Es war ein sehr heißer Tag, eine Schwarzkopfmöwe und Italiensperlinge sorgten für meine Highlights. Am Nachmittag gab es dann Urlaub vom Vögelchengucken ;-))

Am heutigen Samstag fahren wir nach einer Woche an der Adria wieder zurück nach München. Aber wie schon bei der Anreise wollen wir unbedingt bei den Gänsegeiern vorbeischauen. Für die Geier ist in der Nähe des Naturschutzzentrums »Lago di Cornino« an einem Hang ein Fütterungsplatz eingerichtet. Als wir vor sechs Tagen das erste Mal hier waren und nach den Geiern Ausschau hielten, hatte es stark zu regnen begonnen und am »Geierrestaurant« zeigten sich »nur« Kolkraben und Nebelkrähen. Aber in den umliegenden Wäldern und den Felswänden waren um die 20 Gänsegeier zu sehen. Wir hatten vom Projektbetreuer Fulvio Genero erfahren, dass montags, mittwochs und freitags der Futterplatz frisch bestückt würde und die Chance, die Gänsegeier am Platz zu beobachten, aktuell eigentlich sehr groß sei. Es werden Wild- und Haustierkadaver ausgelegt. Die Tiere sind entweder Verkehrsopfer oder verendete Schweine aus der lokalen Landwirtschaft.

Gesellige Gänsegeier

Nach einer Stunde Fahrt kommen wir gegen 9 Uhr im Besucherzentrum (Bild) an. Da heute ab 9.30 Uhr der »Internationale Tag der Geier« ausgerichtet wird und viele Besucher erwartet werden, möchten wir die ruhigen Vormittagsstunden nutzen. Leider zeigen sich auch diesmal am Futterplatz (Bilder) keine Gänsegeier. Aber wir sind ja schon »geübt« und suchen die bewaldeten Hänge ab. Gänsegeier sind gesellige Vögel. Sie brüten in Kolonien mit meist 20 bis 30 Brutpaaren und suchen auch gemeinsam geeignete Felswände zum Schlafen auf. Die Gänsegeier (Bilder, Video auf Youtube) haben sich auch hier zumeist in kleinen Gruppen auf den Kronen der Bäume versammelt. Ich bin ständig am Ausschauhalten und kann viele Trupps entdecken.

Die Gänsegeier sind auch im Flug zu sehen. Eine größere Schar zieht ihre Bahnen am Berggipfel. Sie sind ausgesprochene Segelflieger und auf Aufwindzonen angewiesen. Deshalb brechen Gänsegeier meist erst am späten Vormittag zu ihren Such- und Nahrungsflügen auf, wenn die ersten thermischen Aufwinde entstehen. Bei ungünstigen Wetterbedingungen können Gänsegeier vier bis fünf Wochen lang hungern. Sie ernähren sich von toten großen Tieren wie Schafen, Ziegen, Kühen oder Wildtieren. Ca. ein halbes Kilo Fleisch benötigt der Aasfresser täglich.

Wenn die Gänsegeier ihr Fressen nicht so fürsorglich »aufgetischt« bekommen wie hier, verbringen sie bis zu acht Stunden pro Tag mit Nahrungssuche. In kleinen Gruppen kreisen sie in 500 bis 1000 Metern Flughöhe und suchen ein mehrere hundert Quadratkilometer großes Gebiet nach Fressbarem ab.

Mittlerweile füllt sich unser kleiner Beobachtungsunterstand mit neugierigen Besuchern. Wir lassen einige durch die Spektive gucken und zeigen ihnen die Gänsegeier. Gegen 11 Uhr machen wir einen letzten Rundgang und kommen auch an der Voliere mit dem Habichtskauz (Bild) vorbei. Es ist mein Erster – zählt aber nicht ;-))

Besucherzentrum Naturschutzgebiet »Lago di Cornino«, September 2019
Ausblick aus unserem Beobachtungsunterstand, September 2019
Futterplatz »Lago di Cornino«, September 2019
Gänsegeier (Griffon Vulture), »Lago di Cornino«, September 2019
Gänsegeier (Griffon Vulture), »Lago di Cornino«, September 2019
Gänsegeier (Griffon Vulture), »Lago di Cornino«, September 2019
Gänsegeier (Griffon Vulture), »Lago di Cornino«, September 2019
Gänsegeier (Griffon Vulture), »Lago di Cornino«, September 2019
Gänsegeier (Griffon Vulture), »Lago di Cornino«, September 2019
Besucherzentrum »Lago di Cornino«, September 2019
Habichtskauz (Ural Owl), Besucherzentrum »Lago di Cornino«, September 2019

Mehr Informationen siehe Webseite des Naturschutzzentrums.


Vogelliste: ca. 80 Gänsegeier, Kolkrabe, Nebelkrähe


Literatur: Broschüre »Könige der Lüfte«, Bartgeier, Gänsegeier und Steinadler zwischen Hohen Tauern und Karnischen Voralpen; Gemeinschaftsprojekt des Naturschutzgebietes Lago di Cornino (Comune Forgaria nel Friuli) und des Nationalparks Hohe Tauern; Mittersil Dezember 2008, Texte von Robert Lindner, Fulvio Genero, Michael Knollseisen

Verwandte Beiträge

Geben Sie Ihren Suchbegriff oben ein und drücken Sie Enter um die Suche zu starten. Um abzubrechen, drücken Sie ESC.

Zurück nach oben