Bruterfolg bei den Chileflamingos am Großen Rötelseeweiher

Samstag, 25. Juli 2015 (sonnig, 25 Grad, sehr windiger Sommertag), Cham, Großer Rötelseeweiher (Naturschutzgebiet Regentalaue), 17 bis 20.15 Uhr
Da mir das Vogelbeobachten tagsüber in der sommerlichen Hitze zu anstrengend wird, beschließe ich an diesem Wochenende in das Naturschutzgebiet Regentalaue zu fahren. Mit dem Zug nach Cham, einmal übernachten und am nächsten Tag zurück. So kann ich die kühleren Abend- und Morgenstunden nutzen. Es gibt aber auch noch ein ganz besonderes Ereignis: wildlebende Chileflamingos haben Nachwuchs bekommen. Die Zugreise von München bis Cham dauert knapp drei Stunden. Mit Verspätung komme ich kurz nach 16 Uhr an. Nachdem ich mein Zimmer in der Pension bezogen habe, mache ich mich um 17 Uhr auf den Weg zum Großen Rötelseeweiher. Ich folge den Hinweisschildern des Fernwanderweges »Pandurensteig«, der mich über Michelsdorf an das nördliche Ufer des Großen Rötelseeweihers (Bilder) bringt. Hier gibt es einige Stellen mit freiem Blick auf den See. Schnell habe ich die Chileflamingos (Bilder) entdeckt. Der gut drei Wochen alte Jungvogel, noch mit weißem Dunenkleid, schwarzen Beinen und Schnabel, ist schon sehr selbstständig. Immer wieder läuft er seinen Vogeleltern davon. Diese schreiten dann langsam und bedächtig ihrem Kleinen hinterher.
Das Besondere an diesem kleinen Flamingo ist, dass er der Erste seiner Art in Bayern ist. Seit einigen Jahren werden an großen bayerischen Seen oder Flussläufen wie am Inn (> Artikel August 2013), Chiemsee, Echinger Stausee bei Landshut oder Ismaninger Speichersee immer wieder Flamingos gesichtet. Zum einen sind es Rosaflamingos, die ihren Lebensraum in Südeuropa (> Mallorca-Artikel) haben, zum anderen sind es südamerikanische Arten wie der Chileflamingo und der Kubaflamingo. Den Rosaflamingo (> Wikipedia) erkennt man an seinen einfarbig rosa Beinen und an der kleinen schwarzen Schnabelspitze. Der Chileflamingo (> Wikipedia) hat graue Beine, ein rotes »Knie« und sein Schnabel ist mehr als zur Hälfte schwarz. Woher die Flamingos in Bayern und in Deutschland kommen ist nicht eindeutig geklärt. Die südamerikanischen Arten sind höchstwahrscheinlich Flüchtlinge aus Zoos und Privathaltungen. Ende der 1970er Jahre wurden in der Nähe der holländischen Grenze zum ersten Mal wildlebende Flamingos gesichtet. Mittlerweile hat sich in dem Münsterländer Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn eine Flamingo-Population mit ca. 40 Vögeln entwickelt.
Chileflamingos ernähren sich von kleinen Krebsen, Insekten und Algen, die sie mit ihrem speziellen Schnabel aus dem Bodenschlamm ausseihen. Nährstoffreiches Wasser, das unter anderem durch den Kot der Möwen entsteht, führt zu einem starken Wachstum von Algen und Kleinstlebewesen. Die in den Algen enthaltenen Farbstoffe (Carotinoide) werden in den Federn eingelagert und geben den Flamingos ihr unverwechselbares rotes Gefieder.

Bereits 2014 haben am Großen Rötelseeweiher Chileflamingos einen Brutversuch unternommen. Aber das Gelege wurde aufgegeben, da ein Fuchs in die Möwenkolonie eindrang und die Vögel störte. Ende Mai 2015 wurden erneut drei Flamingos gesichtet. Das Flamingo-Paar begann diesmal an einem besser geschützten Platz innerhalb der Möwenkolonie zu brüten. Am 1. Juli schlüpfte das Junge. Die erste Zeit wird das Küken mit Kropfmilch gefüttert. Nach ca. 10 bis 12 Wochen kann es sich eigenständig ernähren.

Es macht Spaß den kleinen wilden Flamingo zu beobachten. Aber auch sonst gibt es noch einiges zu sehen. Nicht weit von mir sitzt ein Neuntöter (Bild) in der Hecke und hält Ausschau nach Nahrung. Am gegenüberliegenden Seeufer hat sich ein Graureiher (Bild) in der Kormoran-Kolonie auf einem trockenen Ast niedergelassen. Plötzlich wird es unruhig auf dem See und lautes Geschnatter ist zu hören. Gänse, Enten und Möwen fliegen aufgeregt umher (Bild). Was ist passiert? Ein Seeadler gleitet langsam über den See nach Westen und späht nach einem Beutetier. Erfolg hat er diesmal nicht und langsam beruhigen sich die Vögel wieder und kehren an den See zurück. Für mich wird es nun auch Zeit nach Cham zurückzugehen und werde zum Abschluss noch mit einer beeindruckenden Wolkenformation (Bild) belohnt.

Vogeltagesliste Regentalaue und Großer Rötelseeweiher: Höckerschwan, Graugans, Weißwangengans (1), Rostgans (3), Stockente, Schnatterente, Tafelente, Reiherente, Jagdfasan, Schwarzhalstaucher, Zwergtaucher, Haubentaucher, Kormoran, Silberreiher, Graureiher, Chileflamingo (4), Seeadler, Turmfalke, Teichhuhn, Blässhuhn, Kiebitz, Flussuferläufer, Lachmöwe, Ringeltaube, Türkentaube, Mauersegler, Rauchschwalbe, Mehlschwalbe, Bachstelze, Hausrotschwanz, Wacholderdrossel, Amsel, Grauschnäpper, Neuntöter, Rabenkrähe, Star, Haussperling, Stieglitz, Goldammer

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Großer Rötelseeweiher, Cham, Juli 2015
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Großer Rötelseeweiher, Cham, Juli 2015
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Chileflamingos, Großer Rötelseeweiher, Cham, Juli 2015
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Chileflamingos, Großer Rötelseeweiher, Cham, Juli 2015
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Chileflamingos, Großer Rötelseeweiher, Cham, Juli 2015
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Juveniler Chileflamingo, Schwarzhalstaucher (vorne links), Großer Rötelseeweiher, Cham, Juli 2015
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Chileflamingos, Großer Rötelseeweiher, Cham, Juli 2015
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Neuntöter, Regentalaue, Cham, Juli 2015
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Graureiher, Kormorane, Großer Rötelseeweiher, Cham, Juli 2015
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Aufruhr am Großen Rötelseeweiher, Cham, Juli 2015
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Abendstimmung bei Michelsdorf, Cham, Juli 2015

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