Schneeammer – seltener Wintergast in Bayern

Freitag, 5. Februar 2021 (stark bewölkt, 8 Grad, winterlicher Tag), Altheim bei Landshut (Niederbayern), 12 bis 13 Uhr

Heute erwartet mich ein ereignisreicher Tag. Und zwar in zweierlei Hinsicht. Nach einer Stunde Autofahrt platzt mir auf der Autobahn ein hinterer Reifen. Zum Glück passiert nichts Schlimmeres und ich kann den Wagen in einer kleinen Parkbucht neben der Autobahn abstellen. Ich bin mit einem Carsharing-Auto unterwegs und nachdem ich mich einigermaßen beruhigt habe, nehme ich Kontakt zum Vermieter auf. Mir wird sehr schnell geholfen und nach eineinhalb Stunden ist der Einsatz des Pannendienstes beendet und ein Ersatzrad am Auto montiert. Nun stehe ich auf einem Parkplatz abseits der Autobahn, bespreche mich nochmals mit dem Vermieter. Ich darf weiterfahren, auf der Autobahn allerdings nur mit maximal 80 km/h. Was soll ich tun? Nach München zurückfahren und diesen Tag schnell abhaken oder mich doch noch auf die Suche nach der Schneeammer machen, wegen der ich überhaupt aufgebrochen bin? Ich befinde mich nur noch wenige Kilometer von meinem Zielort entfernt und entscheide mich, dem Tag noch eine Chance zu geben.

Schneeammer finden macht glücklich

Eine halbe Stunde später komme ich in Altheim an. Westlich davon erstrecken sich die weiten Ackerflächen (Bild), auf denen Susanne aus Landshut am 22. Januar zwei Schneeammer-Männchen entdeckt hat. Lieben Dank an dieser Stelle fürs Melden und Dank auch an Helmut, der mir noch einige Tipps für die Suche gegeben hat. Schneeammern leben von März bis Oktober hoch oben im Norden Europas, in Skandinavien, Schottland und Island. Sie brüten in geröllreichen, kahlen Bergregionen, meist oberhalb der Baumgrenze, aber auch entlang steiniger Küstenstreifen und in der offenen, baumlosen Tundra. Zum Überwintern kommen sie an die Nord- und Ostseeküste, im Binnenland sind sie sehr selten anzutreffen.

Agrarlandschaft bei Altheim nahe Landshut, Februar 2021

Es gehört immer auch ein bisschen Glück dazu, einen so kleinen Vogel zu finden. Eine Stunde lang gehe ich verschiedene Wege ab, suche an den Ackerrändern und in den Feldern nach der Schneeammer. Ich will schon aufgeben, doch dann entdecke ich etwas kleines Helles (Bild) auf der dunkelbraunen Erde. Es ist die Schneeammer (Bilder, Video auf Youtube), ein Männchen im Schlichtkleid. Der Bauch ist weiß, an der Brust und an den Kopfseiten sind gelbbraune Federn zu erkennen. Auch der Mantel erscheint gelbbraun, versetzt mit schwarzen Streifen, im oberen Teil mit einem Hauch von weißen Federn. Der gelbe Schnabel endet in einer dunklen Spitze. Die Schneeammer wird in der Literatur als zutraulich beschrieben. Dies bestätigt sich eindrucksvoll, als ich langsam und leise noch einige Schritte auf sie zugehen kann. Die Schneeammer beobachtet die Umgebung äußerst aufmerksam, wirkt aber ganz entspannt und trippelt nach einiger Zeit langsam in das Gras am Rande des Weges. So ein hübscher Vogel. Ich bin überglücklich. Eine zweite Ammer entdecke ich nicht mehr. Nach etwa einer Dreiviertelstunde beschließe, ich den Rückweg nach München anzutreten. Am 21. Februar wurde die Schneeammer das letzte Mal gesehen.

Schneeammer (Snow Bunting), Altheim, Februar 2021
Schneeammer (Snow Bunting), Altheim, Februar 2021
Schneeammer (Snow Bunting), Altheim, Februar 2021
Schneeammer (Snow Bunting), Altheim, Februar 2021
Schneeammer (Snow Bunting), Altheim, Februar 2021
Schneeammer (Snow Bunting), Männchen im Schlichtkleid, Altheim, Februar 2021
Schneeammer (Snow Bunting), Altheim, Februar 2021
Schneeammer (Snow Bunting), Altheim, Februar 2021

Vogeltagesliste: Schneeammer*, Elster, Rabenkrähe (* = persönliche Erstsichtung)
Unterwegs: Mäusebussard, Rabenkrähe, Silberreiher, Graureiher

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