Marokko – Tag 1: Atlasohrenlerche, Trauersteinschmätzer und Rotflügelgimpel

teaser_rotfluegelgimpel_marokko_2016-12-28_0067Mittwoch, 28. Dezember 2016, Marokko, südlich von Marrakesch, ca. 17 Grad, 9 bis 10.30 Uhr; Oukaimeden (Hoher Atlas), ca. 15 Grad, 12 bis 17 Uhr
Am Abend zuvor waren wir am Flughafen Menara in Marrakesch angekommen. Laut unserer Mitteleuropäischen Zeit um 17.20 Uhr, doch in Marrakesch gilt die Westeuropäische Zeit und ich konnte die Uhr um eine Stunde zurückdrehen. Die erste Nacht verbrachten wir in einem großen Hotel nicht weit vom Flughafen entfernt. In den Abendstunden flogen um die hundert Bachstelzen zwischen den Palmen entlang der breiten, verkehrsreichen Avenue geschäftig hin und her. Ist das ihr Schlafplatz?

Pünktlich um 8.30 Uhr werden wir von Brahim Mezane und seinem Fahrer Hamid abgeholt. Wir verstauen unser Gepäck im großen Ford und fahren in südlicher Richtung aus Marrakesch hinaus. Nach nur wenigen Kilometern halten wir am Straßenrand und Brahim bringt uns zu bewirtschafteten Feldern und einer mit Büschen bewachsenen steinigen Brachfläche (Bild). Das schaut zwar etwas trostlos aus, dennoch schlendern wir gemütlich tiefer in das Gebiet hinein. Bis auf den Baulärm neben der Straße ist es ziemlich still. Nach und nach entdecken wir die Vogelwelt dieses Ödlandes. Zwei Steinkäuze harren auf einem Steinhaufen und Zaunammern sonnen sich auf verdorrten Zweigen. In den dornigen Büschen finden wir neben dem Raubwürger elegans (Bild) auch einige Samtkopf-Grasmücken, die sich schon heftig umwerben. Zum ersten Mal kann ich den leuchtend orangenen Diademrotschwanz (Bild) bewundern. Mehrere Blauohrelstern (eine davon im Bild) haben sich auf den Holzpfosten niedergelassen, eine ist auch schon mit Baumaterial für ihr Nest unterwegs. Lange lässt sich eine Haubenlerche (Bild), die zwischen den Steinen nach Futter sucht, aus nächster Nähe beobachten. Das karge Brachland hat sich als schöner Vogelbeobachtungsplatz entpuppt.

Nach der Visite bei den marokkanischen »Allerweltsvögeln« geht es weiter Richtung Gebirge, in den Hohen Atlas. Unterwegs noch ein kurzer Halt mit einem weiten Blick zurück ins Tal (Bild) und auf die kleinen Berberdörfer, die sich an die sanften Hänge schmiegen. Während der Fahrt entdeckt Markus einen Adlerbussard (Bild). Gegen 12 Uhr erreichen wir den 2600 Meter hoch gelegenen Skiort Oukaimeden (Bilder). Im November hatte es schon geschneit und es fühlt sich für uns an, als wären wir in den Alpen. Es ist einiges los hier. Neben der Straße bieten Händler ihre Waren an, Essensstände sind aufgebaut, Ski und Skischuhe werden vermietet. Die Kinder freuen sich über ihre Fahrt mit dem Schlitten, während einige Skifahrer den Berg herunterwedeln. »In diesem Trubel sollen wir Vögel finden?«, frage ich mich. Aber Brahim kennt seine Plätze und wir suchen die Hänge ab. Die Alpenkrähen (Bild) sind schnell entdeckt, da sie in größeren Trupps zwischen den Felsen hin und her fliegen. Wir folgen der Straße zurück zum Parkplatz und finden zu unserer Überraschung eine Atlasohrenlerche (Bilder und > Video 1 und > Video 2) neben den parkenden AutosDer hübsche Vogel mit den abstehenden schwarzen Federohren hat auf einem Schneehaufen Platz genommen und beobachtet interessiert das Treiben. Weitere Atlasohrenlerchen (mindestens drei sind zu sehen) suchen zwischen den Salatblättern und Orangenschalen, die man nach dem Picknick weggeworfen hat, nach Nahrung.

Auch wir gönnen uns eine Mittagspause auf der Terrasse eines Restaurants. Anschließend spazieren wir durch die kleine Ferienhaussiedlung. Wir entdecken bald einen Trauersteinschmätzer (Bilder), der sich gerne auf einem Stein niederlässt und auch für ein Foto kurz sitzen bleibt. Sein Gefieder ist schwarz, der Bürzel und der Schwanz heben sich weiß davon ab. Der Schwanz weist die gattungstypische Schwanzzeichnung auf, ein schwarzes »T« auf dem weißen Grund. Die Schwanzendbinde ist gleichmäßig breit. Der Lebensraum des Trauersteinschmätzers sind die Berge und er brütet an steilen, trockenen Hängen mit Felsen und Abbrüchen, durchsetzt mit Büschen oder Bäumen. Kaum habe ich mich an dem Vogel sattgesehen, wartet schon der nächste »Lifer« auf mich. Am Hang und in der Nähe eines Hauses sichten wir Steinsperlinge (Bild). Sie bewohnen – wie der Name besagt – Lebensräume mit kahlem Boden wie Felsen, Schluchten, Sand- und Steinbrüche, offene Landschaften mit Mauern, Ruinen oder Häusern. Ein kleiner Trupp der geselligen Vögel hat sich in einem Baum niedergelassen, die beiden auf dem Bild genießen ganz offensichtlich ihr Sonnenbad.

Ich bin schon ziemlich glücklich mit dem herrlichen sonnigen Wintertag und den bisher gesehenen »neuen« Arten, doch das absolute Highlight liegt noch vor mir: Allmählich wird Brahim unruhig und meint, wir sollten zügig zum Skigebiet zurückgehen. Hier erwartet er die Rotflügelgimpel. Hat unser Reiseleiter eine Verabredung mit diesen schönen Finken? Mir ist es eigentlich mit den vielen Menschen zu laut geworden. Aber dann sehen wir einen Trupp von 30 bis 40 Rotflügelgimpeln auf einer Leitung sitzen. Bald kommen sie näher und stärken sich mit den am Boden liegenden weggeworfenen Nüssen. Andere Rotflügelgimpel (Bilder) rasten auf einer Mauer, fliegen dann aber weiter zum nächsten Haus. Der ganze Auftritt dauert ungefähr fünf Minuten, dann verschwindet die Schar wieder Richtung Berge. Diese Begegnung mit den hübschen Finken war zwar etwas stressig, weil sie nur recht kurz zu sehen waren, aber auch wunderschön, weil sie so nah waren. Der Lebensraum der Rotflügelgimpel ist das Hochgebirge mit seinen steilen Abhängen, Schluchten und Geröllhängen. Üblicherweise halten sie sich in Höhen von 1700 bis 3000 Meter auf, nur im Winter ziehen sie in tiefer gelegene Gebiete. Sie sind sehr gesellig und ganzjährig in kleinen Gruppen unterwegs. Und mit ihrem rosa-schwarz-braunen Gefieder ausnehmend schöne Vögel.
Am Ende dieses ersten ereignisreichen Tages werden wir von Hamid sicher über kurvige Bergstrecken zu einer ruhigen, idyllisch gelegenen Hotelanlage gefahren.

Vogelliste Marrakesch und unterwegs: Adlerbussard, Sperber, Turmfalke, Straßentaube, Türkentaube, Palmtaube*, Steinkauz, Haubenlerche, Wiesenpieper, Bachstelze, Diademrotschwanz*, Schwarzkehlchen, Amsel, Mönchsgrasmücke, Samtkopf-Grasmücke, Raubwürger elegans*, Graubülbül*, Blauohrelster* (3), Einfarbstar*, Haussperling, Weidensperling*, Bluthänfling, Grünfink, Zaunammer, Grauammer

Vogelliste Oukaimeden: Blässhuhn, Waldwasserläufer, Atlasohrenlerche* (3), Trauersteinschmätzer* (2), Misteldrossel, Ultramarinmeise*, Alpenkrähe* (ca. 30), Alpendohle, Steinsperling*, Buchfink, Buchfink africana*, Rotflügelgimpel alienus*, Zippammer*
(* = meine persönliche Erstsichtung)

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Südlich von Marrakesch, Dezember 2016

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Raubwürger elegans (Great Grey Shrike), Marokko, Dezember 2016

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Diademrotschwanz (Moussier’s Redstart), Marokko, Dezember 2016

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Blauohrelster (Magpie), Marokko, Dezember 2016 (Foto: Markus Dähne)

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Haubenlerche (Crested Lark), Marokko, Dezember 2016

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Auf dem Weg in den Hohen Atlas, Marokko, Dezember 2016

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Adlerbussard (Long-legged Buzzard), Turmfalke (Common Kestrel), Marokko, Dezember 2016

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Oukaimeden, Marokko, Dezember 2016

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Oukaimeden, Marokko, Dezember 2016

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Alpenkrähen (Red-billed Chough), Oukaimeden, Marokko, Dezember 2016

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Atlasohrenlerche (Atlas Horned Lark), Oukaimeden, Marokko, Dezember 2016

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Atlasohrenlerche (Atlas Horned Lark), Oukaimeden, Marokko, Dezember 2016

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Oukaimeden, Marokko, Dezember 2016

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Trauersteinschmätzer (Black Wheatear), Oukaimeden, Marokko, Dezember 2016

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Trauersteinschmätzer (Black Wheatear), Oukaimeden, Marokko, Dezember 2016

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Trauersteinschmätzer (Black Wheatear), Oukaimeden, Marokko, Dezember 2016

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Steinsperlinge (Rock Sparrow), Oukaimeden, Marokko, Dezember 2016

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Rotflügelgimpel (Crimson-winged Finch), Oukaimeden, Marokko, Dezember 2016

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Rotflügelgimpel (Crimson-winged Finch), Oukaimeden, Marokko, Dezember 2016

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Rotflügelgimpel (Crimson-winged Finch), Oukaimeden, Marokko, Dezember 2016

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Rotflügelgimpel (Crimson-winged Finch), Oukaimeden, Marokko, Dezember 2016

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Ein Kommentar zu Marokko – Tag 1: Atlasohrenlerche, Trauersteinschmätzer und Rotflügelgimpel

  1. Elke Brüser sagt:

    Den Trauersteinschmätzer hatten wir in der Wüste in unserem Camp zu Besuch … und den Raubwürger haben wir ebenfalls entdeckt: im Naturschutzgebiet an der Küste.

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