Der Rosapelikan von der Isar

Freitag, 19. Oktober 2018 (14 Grad, kühler Herbsttag), Isar (Praterinsel), 18.30 bis 18.50 Uhr
Seit einigen Tagen wird an verschiedenen Stellen an der Isar ein Rosapelikan gesichtet – manchmal an der Wittelsbacher Brücke, dann wieder in der Nähe der Praterinsel. Nicht nur den Ornis sondern auch »normalen« Spaziergängern fällt der weiße Vogel mit dem markanten Schnabel auf. Er ist auch nicht zu übersehen, da er ungefähr die Größe eines Höckerschwans hat. Rosapelikane sind keine einheimischen Vögel, auch keine Zugvögel die bei uns rasten. Viele Fragen tun sich auf. Hat sich vielleicht ein Vogel aus dem 1400 Kilometer entfernten Donaudelta zu uns verflogen? Ist er beim Flug in das afrikanische Winterquartier nach Norden abgedriftet? Oder ist er ein Gefangenschaftsflüchtling?
Rosapelikane leben normalerweise in großen Kolonien an Seen und Flüssen. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Südosteuropa über Kleinasien bis nach Zentralasien. Die nördlichen Populationen überwintern vorwiegend in Afrika, die asiatischen zum Teil auch in Pakistan. In Afrika ist der Rosapelikan auch ein Standvogel. Das größte europäische Brutvorkommen mit ca. 4000 Brutpaaren liegt im Donaudelta in Rumänien. Zwischen September und Anfang November verlassen die Rosapelikane dieses Gebiet und ziehen südwestwärts Richtung Afrika.

Ich habe in dieser Woche keine freie Zeit, nutze aber meinen täglichen Weg in die Arbeit um die Isar abzusuchen. Leider kann ich ihn nicht finden. Erst am späten Freitagnachmittag mache ich mich auf den Weg zur Praterinsel, wo er zuletzt gemeldet wurde. Und … ich habe Glück und finde den Rosapelikan (Bilder, Video > Youtube) südlich der Praterinsel, wo er ganz gemütlich eine Kiesinsel abschreitet. Leider habe ich kein Spektiv dabei, sondern nur meine kleine Kamera. Schnell wird es dunkel, aber mein Plan steht fest, ihn morgen erneut zu suchen. Den ganzen Samstagnachmittag bin ich unterwegs, aber er ist anscheinend weitergezogen. So habe ich mir von Ulrich Schäfer, einem mir bekannten Orni, einige schöne Fotos »ausgeliehen«.

Bald werden auch noch mehr Details bekannt und das Geheimnis seiner Herkunft konnte gelüftet werden. Am 13. Oktober wurde der Rosapelikan das erste Mal an einem kleinen Weiher im Landkreis Starnberg gesichtet, ab dem 17. Oktober dann in München. Der schmale Metallring am linken Bein wurde schnell entdeckt. Damit ist klar, dass es ein Gefangenschaftsflüchtling ist. Es stellte sich heraus, dass der zwei Jahre alte Jungvogel Mitte September aus einem privaten Raritätenzoo in Ebbs (Tirol) entflogen ist. Deshalb ist er auch an Menschen gewöhnt und nicht so scheu wie ein Wildvogel. Der Besitzer ging davon aus, dass der Rosapelikan tot ist, da er nie gelernt hatte, selbstständig Fische zu fangen.

Und wie ging es nun weiter? Als ich diese Zeilen schreibe, ist es Ende Januar 2019. Der Rosapelikan hat mittlerweile einen Namen bekommen: Isarbelle. Seit Ende Oktober 2018 bis jetzt hält sich der Zooflüchtling auf der Isar zwischen München und Landshut auf. Erst vor einigen Tagen wurde er in Freising gesichtet.
Ich hoffe, er besucht uns bald mal wieder in München ;-)))

01_rosapelikan_great-white-pelican_isar_mue_2018-10-19_1363

Rosapelikan (Great White Pelican), Isar, München, 19. Oktober 2018

02_rosapelikan_great-white-pelican_isar_mue_2018-10-19_2853

Rosapelikan (Great White Pelican), Isar, München, 19. Oktober 2018

03_rosapelikan_great-white-pelican_2018_10_19_05327b1_ulrich_schaefer

Rosapelikan (Great White Pelican), Isar, München, 19. Oktober 2018 (Foto: Ulrich Schäfer)

04_rosapelikan_great-white-pelican_2018_10_19_05328b1_ulrich-schaefer

Rosapelikan (Great White Pelican), Isar, München, 19. Oktober 2018 (Foto: Ulrich Schäfer)

05_rosapelikan_great-white-pelican_2018_10_19_05334b1_ulrich-schaefer

Rosapelikan (Great White Pelican), Isar, München, 19. Oktober 2018 (Foto: Ulrich Schäfer)

06_rosapelikan_great-white-pelican_2018_10_19_05320b1_ulrich-schaefer

Rosapelikan (Great White Pelican), Isar, München, 19. Oktober 2018 (Foto: Ulrich Schäfer)

Dieser Beitrag wurde unter Herbst, Tour München-Stadt, Vögel – ganz nah abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .